„Club 1857“ vor 50 Jahren gegründet

Gehlenberg Kein Jugendheim, kein fester Treffpunkt für die Jugendlichen und die nächste Disco weit weg. Für eine Gruppe Jugendlicher aus Gehlenberg war das Anfang der 1970er-Jahre nur schwer zu ertragen. Doch anstatt über ihre Situation zu jammern, unternahmen sie etwas. Sie gründeten einen eigenen Jugendtreff und nannten ihn „Club 1857“. Das ist jetzt genau 50 Jahre her.

Als Domizil diente ein altes, seit Jahren ungenutztes Flüchtlingshaus an der Kirchstraße. Dieses durften die Jugendlichen für ihre Zwecke umbauen. Im Juni 1971 ging’s mit den Renovierungsarbeiten in Eigenleistung los. Zwei Monate später konnte bereits eine Eröffnungsfete gefeiert werden.

16 Gründer

Es gab 16 Gründungsmitglieder: Josef Meemken, Hermann Meemken, Heinz Meemken, Hans Hüntelmann, Willi Hüntelmann, Hermann Hüntelmann, Hans Meyer, Willi Berssen, Hermann Stevens, Bernd Nanzik, Hans Esters, Hermann Rolfes, Heinz Kleemann, Bernd Block, Hans Luker und Josef Südkamp.

Und wie kam es zum Namen „Club 1857“? Als die Jugendlichen den Dachboden des Flüchtlingshauses aufräumten, fanden sie ein Kreuz aus Eisen. Darin war eine Jahreszahl eingraviert: 1857.

Nach 13 Jahren Schluss

13 Jahre lang war der „Club 1857“ in Gehlenberg ein beliebter Anlaufpunkt für mehrere Jugendgenerationen aus dem Dorf und der Umgebung und muste baulich stets erweitert werden. Zahlreiche Partys wurden dort gefeiert.

1984 war dann aber Schluss. Nicht, weil die Jugend keine Lust mehr hatte. Es war allein dem Umstand geschuldet, dass zu dieser Zeit das Club-Gebäude an das Kanalnetz hätte angeschlossen werden müssen. Das wollte der Immobilienbesitzer aber nicht und ließ das Haus abreißen.

 

Gehlenberg Füftig Jaohre is dat nu all här, dat eine Gruppe von junge Lüe denn Club 1857 gründet haff. Dei Idee is entstaan, as dei Jugendlichen, as bold jeden Sönndag na dei Kaake, bi Janssen Bernd inne Wirtschaft seeten.

Midden ien`t Dörb stünnt all siet Jaohren ein oldet Flüchtlingshuus loss. Fäör hunnertfüftig Mark in Jaohr kunn man dat olde Huus pachten un dei Pastoor erklärde sück bereit, dat Geld tau betaolen. An denn 17. Juni, domals „Tag der Deutschen Einheit“, güng dat daorbi. Von binnen müsste alles nei maoket weerden. Dei Müüren un Fautböden woorden ruuträten, ein Toilettenhüüsken müsste anbauhd weerden un fäör dei Fenster kömen Klappen ut Holt. Dat größte Projekt was aber dei Waoterleitung. Weil ein Neianschluss fählst tau düür was, grööv man von dei Schlachtereie bis na denn Club einen dreihunnert Meter langen Schlauch inne Grund.

Na twei Maonte was dat sowiet fertig, dat man eine Ienweihungsfier maoken kunn. Ein Jaohr läöter is noch das komplette Dack nei maoket woorden. Üm dei Spitzel von dat Bauamt tau ümgaan, is man daor all an einen Saaterdag in Morgengrauen bi anfangen. Biet Freustück was all Richtfest un an Aobend was dat neie Dack fertig.

Grote Unnerstützung funnen dei jungen Lüe bi denn olden Wilhelm Schute un bi Hatzog Bernd. Dei harr sicher uck dei Hoffnung, dat siene Junges dann nich mehr so vähle inne Weltgeschichte herümmfluttgern müssden. Aber dat göv uck masse Skepsis, off dat woll gaud is, wenn dei langhaorigen Jugendlichen daor ganz alleine huuset. As dann inne Zeitung stünnt „Pastor zahlt die Miete für Jugendclub“, woorde dei Upregung so groot, dat Pastoor Litfin sien Verspräken wär taurügge nähmen müssde. Aber dei jungen Lüe han dat immerhin in dei Sönndagspredigt schafft. Man organisierde Discoaobende un besöchte tausammen Konzerte. Mit masse Engagement bauhde man fäör denn ersten Gählenbarger Kinnergorn einen grooten Späälplatz.

Mit dei Tied kömen immer neie Lüe daortau. So was dei Club vähle Jaohre ein Treffpunkt fäör dei Jugend ut dei ganze Ümmgäbung. As dat Huus 1984 an dei neie Kanalisation anschlaoten weerden schull, woorde dei Mietvertrag upplöset un dat Huus offräten. Daorna göv dat up Initiative von Hans Meyer noch ein paormal Clubfeten (Scheunenfeten) in Neiloorpe oder bi Behnen Jan.

 Zum Autor: Wilhelm Berssen (68) aus Ramsloh gehörte als gebürtiger Gehlenberger zu den Gründungsmitgliedern von „Club 1857“. Der pensionierte Lehrer verfasste seine Erinnerungen an den Treffpunkt im Gehlenberger Platt.